Warum agiler Coach der unattraktivste Job auf der Welt ist!

Agile Coaches könnte man mit Schiedsrichtern vergleichen:  auch bei diesen glaubt jeder, dass er es besser kann als der Mann in schwarz am Spielfeldrand. So auch bei agilen Coaches. Und wie geht es  dem Schiedsrichter mit seinem Job? Jedes Mal, wenn er eine Übertretung der Regeln ahndet, läuft er Gefahr, ‚eins auf die Nase‘ zu bekommen. Gute Schiedsrichter sind unsichtbar – sie fallen erst dann auf, wenn sie unbequem werden. Unbequem werden heißt aber, dafür zu sorgen, dass Regeln eingehalten und ein Spiel am Laufen gehalten wird, dass nur deshalb so gut läuft, weil jeder weiß, dass es den Schiedsrichter gibt, der bei Übertretung eingreifen würde.

Und Agile Coaches? Auch sie sorgen für ein reibungsloses Ineinandergreifen im agilen Prozess. Sie sorgen dafür, dass Regeln eingehalten werden und dass der jedem Team innewohnende  Schlendrian mit seinem „können wir den Sprint nicht einfach verlängern“-Vorschlägen nicht durchkommt. Für viele Teammitglieder fühlt sich das so an, als müssten sie eine gut antrainierte Schonhaltung – auch gern als die „eigene Komfortzone“ tituliert – verlassen und die selbst gesteckten Vorgaben erfüllen. Macht das Spaß? Nein. Würde man es freiwillig machen? Dreimal nein. Werden die agilen Coaches dafür geliebt? Leider nicht.

Erst wenn sie ein Team verlassen, werden sie schmerzhaft vermisst. Dann spürt ein leistungsbewusstes Team, dass es plötzlich in seine alten Muster zurückfällt und die Regeln langsam aufweichen. Wieder angekommen in den alten Komfortzonen trauert man ihnen nach.

Liebe agilen Teams: lasst es nicht so weit kommen! Kümmert euch um eure agilen Coaches! Zeigt ihnen, was ihr an ihnen schätzt und gebt ihnen das Gefühl, dass sie für euren Erfolg unentbehrlich sind! Bringt ihnen am Montag Schokolade und am Freitag ein kühles Wochenendbier mit!

Und ihr agilen Coaches? Tankt euer Energiereservoir von Zeit zu Zeit auf! Tauscht euch mit anderen agilen Coaches dazu aus, wie sie ihre Rolle leben. Lasst euch von neuen kreativen Methoden und den Erfolgen eures Teams mitreißen und sinnstiftende Antworten für euer Tun geben! Auf dass eure Energietanks gut gefüllt bleiben!

Killt Autonomie in demokratischen Systemen den Teamzusammenhalt?

In demokratischen und holakratischen Systemen geht es viel um Autonomie: Mitarbeiter befreien sich von starren Strukturen, Regeln, Vorgaben durch hierarchische Vorgesetzte. Statt „Vorgaben von oben“ wird viel Wert auf Partizipation, Egalität und Meinungsfindung gelegt. Soweit so gut. In der Praxis hat man jedoch den Eindruck, dass das Pendel häufig komplett in die entgegengesetzte Richtung ausschlägt. Plötzlich schwindet der Fokus auf das Team sondern der Einzelne fordert für sich ein, dass er in alle Prozesse eingebunden wird, dass die Strukturen und Aufgaben ihm größtmögliche Entfaltung bieten, dass er in seiner Einzigartigkeit gesehen wird. Für den Teamzusammenhalt ist es tödlich und nicht selten enden Teams mit einem demokratischen Anspruch an sich häufiger im Zerwürfnis. Was ist zu tun?

Drei Dinge, die demokratische Teams für sich beachten sollten:

  • „Wir über Ich“-Regel: haben wir Werte und Haltungen ausgeprägt, die das gemeinsameGanze über die Selbstverwirklichung des Einzelnen stellen? Leben wir diese Werte?
  • Vertrauen als Kit des Zusammenhalts: Demokratische Teams funktionieren nur mit einemhohen Vertrauensvorsprung in die Kollegen. Dort, wo früher Kontrollsysteme (Chef, Berichte) gegriffen haben, muss nun Vertrauen an diese Stelle rücken. Dabei gilt: die Verantwortung liegt insbesondere bei dem, dem das Vertrauen geschenkt wird, dieses nicht zu enttäuschen.
  • Akzeptanz von steuernden Rollen: Dort, wo früher disziplinarische Macht verankert war,greifen nun subtilere Steuerungsstrukturen, die in entsprechenden Rollen z.B. Product-Owner verankert sind. Diese brauchen Akzeptanz und Gefolgschaft damit die strategische Ausrichtung gesichert ist. Das erfordert von beiden Seiten eine hohe Reife – vom Team, dem vorgegebenen Rahmen zu folgen und vom Rolleninhaber ein kraftvolles Ausüben der Rolle.