„succeed in permanent beta“ – Ist dieser Ratschlag smart oder ein Aufruf zur Qualitätsschlamperei?

Seit heute strömen wieder tausende Personaler zur ‚Zukunft Personal Europe‘. Das diesjährige Motto dieser Messe und Konferenz „succeed in permanent beta“ liest sich wie ein Aufbäumen gegen die guten alten deutschen Tugenden: Gründlichkeit, Perfektion, Höchstleistung. Soll etwa die beta-Lösung schon reichen, um erfolgreich zu sein?

Bei meinem Aufenthalt in der Axel Springer WG im Silicon Valley vor drei Jahren habe ich zum Thema „Qualitätsbewusstsein“ viel von den Digitalplayern gelernt.

Meine 3 größten Learnings:

  • Geschwindigkeit schlägt alles – auch Qualität: Wenn man sich entscheiden muss, schnell mit einem Produkt auf den Markt zu gehen oder noch das Feature XY fertig zu stellen, das das Produkt noch besser machen würde, entscheiden sich die Kalifornier lieber für Geschwindigkeit. Zeit ist ein Vorsprung, den man nicht aufs Spiel setzt.
  • Iteration vor Perfektion: Das MVP, die Skizze oder die beta-Lösung sind Teil eines hohen Qualitätsbewusstseins. Sie sind der Start in einen Prozess, der am Ende zu dem qualitativ besten Produkt führt. Es bedeutet also nicht, dass man sich mit dem Zwischenstand oder der Anfangsskizze zufriedengibt. Diese ist jedoch ein zwingend notwendiger Schritt, um hilfreiche Informationen zu sammeln: Was sagen meine Kunden dazu? Welches Feedback bekomme ich von den Konkurrenten? Funktioniert meine Idee überhaupt?
  • Less is more: Wir Deutschen lieben es, an alles gedacht zu haben! Qualität bedeutet im Valley jedoch, die Kunst zu beherrschen, wegzulassen. Qualitativ hochwertige Produkte sind dort solche, die durch ihre Einfachheit bestechen und es schaffen, sich auf das Wesentliche zu reduzieren. Gut, dass uns eine beta-Lösung daran erinnern kann, dass das Kundenproblem mit einfachen Features schon zu 90% gelöst ist.

Zum Schluss mein Fazit zum Motto „succeed in permanent beta“: ich finde es mutig, eine Businessmesse mit diesem Motto zu starten! Und auch genau richtig. Denn gerade die HR Branche tut sich schwer mit Wandel und Transformation und ist qualitätsversessen im traditionellen Sinne. Doch die deutschen Prämissen in Sachen Qualität sind längst ein Wettbewerbsnachteil. Es wird Zeit das zu ändern!

Die Leistung des Teams ist unterirdisch? Wie die Leistungsfähigkeit in agilen Teams auf einem hohen Level gehalten wird.

Das erzählt man nur hinter vorgehaltener Hand: „Früher war alles besser. Da war noch ‘Zug‘ drin.“. Traurige Wahrheit: das persönliche Erlebnis von Teams, die zu agilen Arbeitsweisen umgestellt haben ist, dass das mit einem Verlust von der Leistungsfähigkeit des Teams einhergeht.

Der agilen Arbeitsweise dafür die Schuld zu geben, wäre jedoch fatal. Vielmehr geht es darum sich bewusst zu machen, was in agilen Methoden die Leistungsfähigkeit eines Teams auf einen hohen Level hält.

Meine Do’s and Don‘ts wenn es um Leistung in Agilen Teams geht:

Damit verbessert ihr die Teamleistung:

  1. Messkriterien einführen: beschreibt genau, wann ihr mit einer Leistung zufrieden seid. Hierfür gibt es in agilen Methoden z.B. die Akzeptanzkriterien oder ‚Definition of Done‘.
  2. Transparenz sicherstellen: ist in euren Boards ersichtlich, wer an welchem Thema arbeitet und mit welchem Umfang? Wird jedem im Team klar, wer welchen Beitrag zur Leistung des Teams hat?
  3. Rollen stärken: Product-Owner, Agiler Coach, Scrum Master oder Methodencoach – sie alle haben eine steuernde Rolle und geben den einzelnen Teammitgliedern eine Rückmeldung zu ihrem Teambeitrag. Ist dieses Feedback so deutlich und klar, dass es beim Team ankommt? Löst es die Motivation aus, sich mehr anzustrengen? Wenn nicht, wird es Zeit, dass ihr am Rollenverständnis und der Kompetenz der steuernden Rollen arbeitet!
  4. Werte als Guidance: „Springen“ die Kollegen an, wenn jemand sich auf ihren Kosten ausruht? In Hochleistungsteams herrscht eine Kultur der schonungslosen Offenheit: wer die Gesamtleistung des Teams gefährdet, wird damit konfrontiert. Alles sind geradezu besessen von dem Gedanken, das Allerbeste aus dem Team rauszuholen. Ein kultureller Wert, der es Trittbrettfahrern geradezu unmöglich macht, sich auf Kosten anderer auszuruhen.
  5. Erfolge sichtbar machen: setzt euch konkrete Performanceindikatoren und stellt sicher, dass diese für jeden Ansporn sind. Dafür ist es manchmal notwendig, sie anschaulich und mitreißend zu formulieren. Feiert das Erreichen von Milestones und Erfolgen!

Damit gefährdet ihr eure Leistungsfähigkeit:

  1. Team über alles: wenn der Fokus zu stark auf dem Team liegt, so dass der Einzelne darin untertauchen kann, habt ihr etwas falsch gemacht. Die Leistung des Teams und des Einzelnen muss in einem ausgewogenen Verhältnis stehen!
  2. Inkonsequenz: werden Timelines gerissen? Welche Konsequenzen hat es, wenn Dinge zum wiederholten Male nicht beachtet werden? Wie sehr ist euer Team „auf Zack“ und davon angetrieben, sich selbst ständig neu herauszufordern und selbst gesteckte Vorgaben auch einzuhalten?
  3. Sinnstiftung fehlt: Ist jeder motiviert der Zielsetzung und höheren Sache zu dienen? Ist jedem überhaupt bewusst, warum ihr die Themen so angeht wie ihr sie angeht? Ist diese Sinnstiftung so attraktiv, dass sie für den Einzelnen der Grund ist, sich richtig ins Zeug zu legen? Welche Rolle spielt der Kunde in eurer Erfolgsgeschichte? Wie nah seid ihr am Kunden, seinen Wünschen überhaupt dran?

Top 10 der Mythen über Agilität

Jeder kennt das: man sitzt in einem Meeting und plötzlich schreckt man hellwach auf, weil jemand in einem Zusammenhang das Wort „agil“ benutzt, das so gar nichts mit deinem Verständnis von Agilität zu tun hat.

Hier kommen meine Top 10 der falsch verstandenen Agilität oder den Mythen, was Agilität leisten soll:

  1. Agil war ich schon immer, damals hieß es nur anders.
  2. Agilität heißt: jeder macht wie er will.
  3. Agilität führt ins Chaos, da es alle paar Tage was Neues will.
  4. Agil kommt ohne Führung aus.
  5. Agilität heißt: immer schön flexibel bleiben.
  6. Agilität steigert die Innovationskraft, macht uns schneller, lässt und automatisch die Kundenperspektive einnehmen.
  7. Agil und Regulatorik widersprechen sich.
  8. Agil und Sicherheit funktioniert nicht.
  9. Bei Agilität geht es um Spaß an der Arbeit.
  10. Agilität verlagert die Verantwortung der Führungskraft auf den Mitarbeiter.

Und als Zugabe: Agile Transformation muss doch ein Ende haben!