Die Leistung des Teams ist unterirdisch? Wie die Leistungsfähigkeit in agilen Teams auf einem hohen Level gehalten wird.

Das erzählt man nur hinter vorgehaltener Hand: „Früher war alles besser. Da war noch ‘Zug‘ drin.“. Traurige Wahrheit: das persönliche Erlebnis von Teams, die zu agilen Arbeitsweisen umgestellt haben ist, dass das mit einem Verlust von der Leistungsfähigkeit des Teams einhergeht.

Der agilen Arbeitsweise dafür die Schuld zu geben, wäre jedoch fatal. Vielmehr geht es darum sich bewusst zu machen, was in agilen Methoden die Leistungsfähigkeit eines Teams auf einen hohen Level hält.

Meine Do’s and Don‘ts wenn es um Leistung in Agilen Teams geht:

Damit verbessert ihr die Teamleistung:

  1. Messkriterien einführen: beschreibt genau, wann ihr mit einer Leistung zufrieden seid. Hierfür gibt es in agilen Methoden z.B. die Akzeptanzkriterien oder ‚Definition of Done‘.
  2. Transparenz sicherstellen: ist in euren Boards ersichtlich, wer an welchem Thema arbeitet und mit welchem Umfang? Wird jedem im Team klar, wer welchen Beitrag zur Leistung des Teams hat?
  3. Rollen stärken: Product-Owner, Agiler Coach, Scrum Master oder Methodencoach – sie alle haben eine steuernde Rolle und geben den einzelnen Teammitgliedern eine Rückmeldung zu ihrem Teambeitrag. Ist dieses Feedback so deutlich und klar, dass es beim Team ankommt? Löst es die Motivation aus, sich mehr anzustrengen? Wenn nicht, wird es Zeit, dass ihr am Rollenverständnis und der Kompetenz der steuernden Rollen arbeitet!
  4. Werte als Guidance: „Springen“ die Kollegen an, wenn jemand sich auf ihren Kosten ausruht? In Hochleistungsteams herrscht eine Kultur der schonungslosen Offenheit: wer die Gesamtleistung des Teams gefährdet, wird damit konfrontiert. Alles sind geradezu besessen von dem Gedanken, das Allerbeste aus dem Team rauszuholen. Ein kultureller Wert, der es Trittbrettfahrern geradezu unmöglich macht, sich auf Kosten anderer auszuruhen.
  5. Erfolge sichtbar machen: setzt euch konkrete Performanceindikatoren und stellt sicher, dass diese für jeden Ansporn sind. Dafür ist es manchmal notwendig, sie anschaulich und mitreißend zu formulieren. Feiert das Erreichen von Milestones und Erfolgen!

Damit gefährdet ihr eure Leistungsfähigkeit:

  1. Team über alles: wenn der Fokus zu stark auf dem Team liegt, so dass der Einzelne darin untertauchen kann, habt ihr etwas falsch gemacht. Die Leistung des Teams und des Einzelnen muss in einem ausgewogenen Verhältnis stehen!
  2. Inkonsequenz: werden Timelines gerissen? Welche Konsequenzen hat es, wenn Dinge zum wiederholten Male nicht beachtet werden? Wie sehr ist euer Team „auf Zack“ und davon angetrieben, sich selbst ständig neu herauszufordern und selbst gesteckte Vorgaben auch einzuhalten?
  3. Sinnstiftung fehlt: Ist jeder motiviert der Zielsetzung und höheren Sache zu dienen? Ist jedem überhaupt bewusst, warum ihr die Themen so angeht wie ihr sie angeht? Ist diese Sinnstiftung so attraktiv, dass sie für den Einzelnen der Grund ist, sich richtig ins Zeug zu legen? Welche Rolle spielt der Kunde in eurer Erfolgsgeschichte? Wie nah seid ihr am Kunden, seinen Wünschen überhaupt dran?

Beim Martini kommt es auch nicht allein auf die Olive an! Wie Führung in agilen Teams gelingen kann.

Meine Hypothese nach einem Jahr Holacracy-Erfahrung: in demokratischen und partizipativen Strukturen braucht es mehr Führung denn je!

Wer glaubt, dass Teams sich automatisch wohler führen, wenn die Hierarchie auf ein Minimum reduziert ist, irrt gewaltig. Es ist ein wenig so, wie wenn man sich als Kind auf die großen Ferien gefreut hat und dann am Tag eins schon lustlos und irgendwie unzufrieden im Kinderzimmer hängt. Der große Traum von Freiheit und „endlich mal machen können“ verpufft in einer unklaren Gemengelage. Ähnlich in Teams und ihren Erfahrungen mit hierarchielosen oder im weitesten Sinne stark selbstgesteuerten Teams. Fast alle berichten, dass:

  • die Zufriedenheit nach einem kurzen euphorischen Aufflackern der ersten Tage rapide abgenommen hat
  • die Beziehungskonflikte innerhalb der Teams deutlich zugenommen haben.

Woran liegt das? Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Führung wird nicht verteilt: Wird disziplinarische Führung in agilen Teams zurückgefahren, wird der Steuerungsaspekt der ehemals disziplinarischen Führung auf mehrere Protagonisten verteilt – dem Scrum-Master, Product-Owner und ganz wichtig: das Team. Wie der perfekte Geschmack beim Martini durch Zusammenspiel von Olive, Eiswürfel und Martini entsteht, so braucht‘s für ein gut funktionierendes agiles Team auch ein perfektes Zusammenspiel aller Rollen, die ihre Funktion kraftvoll ausfüllen und damit steuern wirken.
  • Werte und Richtlinien sind unklar: Je weniger Steuerung durch Personen erfolgt, desto stärker muss ein Regelsystem greifen – sprich: Werte, Nomen, Regeln geben Orientierung in Entscheidungssituationen. Das können Richtlinien im Umgang mit Kunden sein z.B. „Kulanz vor Recht“ oder im Umgang miteinander z.B. „Pull vor Push“ – sprich: jeder ist verantwortlich, sich aktiv seine Informationen, Aufgaben etc. zu greifen.
  • Verständnis von Führung ist falsch: Teams schwenken häufig ins komplette Gegenteil zurhierarchischer Führung um. Plötzlich darf nichts mehr entschieden werden, vieles wird in endlosen Diskussionsrunden zerredet, kritisches Feedback wird allzu schnell als ein Rückfall in klassische Hierarchien gesehen. Die positiven Aspekte von Führung werden häufig gar nicht wahrgenommen: der gute Mentor, das wertschätzende und aufmunternde Gegenüber, der hinweisgebende erfahrenere Kollege an dessen Urteil man wächst. All die guten Aspekte großartiger Führungskräfte fehlen oftmals in demokratischen Systemen und werden von den Kollegen und den steuernden Rollen nicht ausreichend aufgefangen.

Fazit: Der Reifegrad des Einzelnen und der Teams muss entsprechend hoch sein, um den Wechsel aus einem tradierten System in demokratische Systeme gut zu bewältigen.

Top 10 der Mythen über Agilität

Jeder kennt das: man sitzt in einem Meeting und plötzlich schreckt man hellwach auf, weil jemand in einem Zusammenhang das Wort „agil“ benutzt, das so gar nichts mit deinem Verständnis von Agilität zu tun hat.

Hier kommen meine Top 10 der falsch verstandenen Agilität oder den Mythen, was Agilität leisten soll:

  1. Agil war ich schon immer, damals hieß es nur anders.
  2. Agilität heißt: jeder macht wie er will.
  3. Agilität führt ins Chaos, da es alle paar Tage was Neues will.
  4. Agil kommt ohne Führung aus.
  5. Agilität heißt: immer schön flexibel bleiben.
  6. Agilität steigert die Innovationskraft, macht uns schneller, lässt und automatisch die Kundenperspektive einnehmen.
  7. Agil und Regulatorik widersprechen sich.
  8. Agil und Sicherheit funktioniert nicht.
  9. Bei Agilität geht es um Spaß an der Arbeit.
  10. Agilität verlagert die Verantwortung der Führungskraft auf den Mitarbeiter.

Und als Zugabe: Agile Transformation muss doch ein Ende haben!

Killt Autonomie in demokratischen Systemen den Teamzusammenhalt?

In demokratischen und holakratischen Systemen geht es viel um Autonomie: Mitarbeiter befreien sich von starren Strukturen, Regeln, Vorgaben durch hierarchische Vorgesetzte. Statt „Vorgaben von oben“ wird viel Wert auf Partizipation, Egalität und Meinungsfindung gelegt. Soweit so gut. In der Praxis hat man jedoch den Eindruck, dass das Pendel häufig komplett in die entgegengesetzte Richtung ausschlägt. Plötzlich schwindet der Fokus auf das Team sondern der Einzelne fordert für sich ein, dass er in alle Prozesse eingebunden wird, dass die Strukturen und Aufgaben ihm größtmögliche Entfaltung bieten, dass er in seiner Einzigartigkeit gesehen wird. Für den Teamzusammenhalt ist es tödlich und nicht selten enden Teams mit einem demokratischen Anspruch an sich häufiger im Zerwürfnis. Was ist zu tun?

Drei Dinge, die demokratische Teams für sich beachten sollten:

  • „Wir über Ich“-Regel: haben wir Werte und Haltungen ausgeprägt, die das gemeinsameGanze über die Selbstverwirklichung des Einzelnen stellen? Leben wir diese Werte?
  • Vertrauen als Kit des Zusammenhalts: Demokratische Teams funktionieren nur mit einemhohen Vertrauensvorsprung in die Kollegen. Dort, wo früher Kontrollsysteme (Chef, Berichte) gegriffen haben, muss nun Vertrauen an diese Stelle rücken. Dabei gilt: die Verantwortung liegt insbesondere bei dem, dem das Vertrauen geschenkt wird, dieses nicht zu enttäuschen.
  • Akzeptanz von steuernden Rollen: Dort, wo früher disziplinarische Macht verankert war,greifen nun subtilere Steuerungsstrukturen, die in entsprechenden Rollen z.B. Product-Owner verankert sind. Diese brauchen Akzeptanz und Gefolgschaft damit die strategische Ausrichtung gesichert ist. Das erfordert von beiden Seiten eine hohe Reife – vom Team, dem vorgegebenen Rahmen zu folgen und vom Rolleninhaber ein kraftvolles Ausüben der Rolle.