Killt Autonomie in demokratischen Systemen den Teamzusammenhalt?

In demokratischen und holakratischen Systemen geht es viel um Autonomie: Mitarbeiter befreien sich von starren Strukturen, Regeln, Vorgaben durch hierarchische Vorgesetzte. Statt „Vorgaben von oben“ wird viel Wert auf Partizipation, Egalität und Meinungsfindung gelegt. Soweit so gut. In der Praxis hat man jedoch den Eindruck, dass das Pendel häufig komplett in die entgegengesetzte Richtung ausschlägt. Plötzlich schwindet der Fokus auf das Team sondern der Einzelne fordert für sich ein, dass er in alle Prozesse eingebunden wird, dass die Strukturen und Aufgaben ihm größtmögliche Entfaltung bieten, dass er in seiner Einzigartigkeit gesehen wird. Für den Teamzusammenhalt ist es tödlich und nicht selten enden Teams mit einem demokratischen Anspruch an sich häufiger im Zerwürfnis. Was ist zu tun?

Drei Dinge, die demokratische Teams für sich beachten sollten:

  • „Wir über Ich“-Regel: haben wir Werte und Haltungen ausgeprägt, die das gemeinsameGanze über die Selbstverwirklichung des Einzelnen stellen? Leben wir diese Werte?
  • Vertrauen als Kit des Zusammenhalts: Demokratische Teams funktionieren nur mit einemhohen Vertrauensvorsprung in die Kollegen. Dort, wo früher Kontrollsysteme (Chef, Berichte) gegriffen haben, muss nun Vertrauen an diese Stelle rücken. Dabei gilt: die Verantwortung liegt insbesondere bei dem, dem das Vertrauen geschenkt wird, dieses nicht zu enttäuschen.
  • Akzeptanz von steuernden Rollen: Dort, wo früher disziplinarische Macht verankert war,greifen nun subtilere Steuerungsstrukturen, die in entsprechenden Rollen z.B. Product-Owner verankert sind. Diese brauchen Akzeptanz und Gefolgschaft damit die strategische Ausrichtung gesichert ist. Das erfordert von beiden Seiten eine hohe Reife – vom Team, dem vorgegebenen Rahmen zu folgen und vom Rolleninhaber ein kraftvolles Ausüben der Rolle.